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weitere Arbeiten von mir 

 

 

MOISSEY KOGAN PROJEKT

 

 

 

Am 25.5.2015 bin ich durch „Zufall“ auf den Bildhauer Moissey Kogan gestoßen. Aus der Beschäftigung mit seinem Leben und seinem Werk (v.a. durch meine Diplomarbeit) resultierten- und resultieren weiterhin- überraschende Geschichten und Begegnungen. Im Rahmen des Moissey Kogan Projekts möchte ich diese Erlebnisse, die mich immer wieder tief berühren, mit Interessierten teilen. Die Chronologie der „Geschichte“ ist so gegliedert, dass der jeweils letzte Bericht an erster Stelle erscheint. 

 

Inhaltsverzeichnis

 

  Kogan in Ascona (2020)

 

  Kogan im Gerhard Marcks Haus (2019)

 

   Auf den Spuren von Kogan in Paris (2019)

 

   Im Blog von Helen Shiner (2019)

 

   Eine wundersame Begegnung- Veranstaltung zum 75.Todestag (2018)

 

   Das erste Original (2017)

 

   Diplomarbeit (2015-2016)

 

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Kogan in Ascona 2020

 

 Recht spontan war eine kurze Reise nach Ascona, in mein geliebtes Tessin, angesagt. So konnte ich an den Aufenthalt im Sommer 2015 anschliessen, als ich mich an diesem Ort anfänglich Kogans Kunst nähern konnte. Ich fertigte damals freie Kopien seiner Skulpturen an. Kogan hat einige Zeit in Ascona gelebt, hatte sogar im Vorort Losone ein Haus gebaut.

 

Im Vorfeld hatte ich Kontakt mit dem Museo Communale d'Arte Moderna in Ascona aufgenommen. Ich wollte gern das von Otto van Rees gemalte Portrait von Kogan sehen. Ich bekam von Michela Zucconi-Poncini aus der Verwaltung des Museums eine freundliche Zusage. Sie veranlasste, dass eine ihrer Mitarbeiterinnen das Gemälde für mich aus dem Archivlager holte. Das Museum lag noch im Winterschlaf. Die Saison begann erst eine Woche später.

 

 Das Gemälde ist größer als ich gedacht habe. Kogan ist überlebensgroß dargestellt. Es ist in matten Braun- und Grautönen gehalten. Kogan- zu der Zeit zwischen 43 und 44 Jahre alt- wirkt in sich gekehrt, ernst. Ich versuche mich in den Moment des Entstehens des Werkes zu vertiefen. Vor fast 100 Jahren (1923/24) saßen sich diese beiden Künstler gegenüber. Van Rees nahm damals Kogan auf intensive Weise wahr, nahm sein Wesen, seine Stimmung auf, und ließ dies in die Darstellung auf der Leinwand einfließen. Das war bestimmt eine innige Begegnung. Vielen Dank für die Möglichkeit, eine neue Facette von Moissey Kogan zu erleben.

 

 

 

 

Auf dem Friedhof von Ascona besuchte ich das Grab von Marianna Werefkin, der russischen Malerin, der Kogan sehr verbunden war. Das ist die Verbindung zur Giselastraße in München-Schwabing, wo Kogan ein häufiger Gast bei Werefkin und Jawlenski war. 

 

 

Außerdem ist hier auch Charlotte Bara beerdigt, eine Tänzerin, von der Kogan verzaubert war. Er hat sie in einem Holzschnitt verewigt. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Auch den Monte Verità hab ich zum wiederholten Male besucht. Es existiert von dort ein Foto von Kogan, im Garten sitzend, zwischen Isa Speyer und Alfred Flechtheim.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ascona ist ein sehr schönes Stück Land auf dieser Erde. Ich kann Kogan gut verstehen, dass er gern hier verweilte.

 

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Kogan im Gerhard Marcks Haus in Bremen 2019

 

Unsere Urlaubsplanung führte meine Frau und mich dieses Jahr an die Nordsee. Mir fiel ein, dass 2002 eine große Kogan-Ausstellung im Gerhard Marcks Haus in Bremen stattgefunden hatte. Im Rahmen meiner Recherche fand ich auf der Homepage des Museums den Hinweis auf drei sich in der Sammlung befindlichen Werke von Kogan. Ob es wohl möglich wäre, diese zwei Grafiken und das Relief zu Gesicht zu bekommen? Das würde einen Tagesausflug nach Bremen lohnen. Auf meine Anfrage bekam ich eine positive Antwort von Dr. Veronika Wiegartz, der Kustodin und Stellvertreterin der Museumsdirektion, und wir vereinbarten einen Termin.

 

Frau Dr.Wiegartz empfing uns sehr freundlich in den im Kellergeschoss liegenden Büroräumen des Museums. Gespannt warteten wir, als sie uns vor einem leeren Tisch zurückließ, um die Stücke aus den „Katakomben“ zu holen. Sie brachte zuerst die beiden Linolschnitte: ‘Mädchen mit Chrysanthemen’ und ‘Zwei hockende Mädchenakte’. Das Motiv der hockenden Mädchen erinnerte mich sehr an die Radierung, die ich von Kogan besitze. Die Spannung stieg - gleich würde ich die erste originale Plastik von Kogan sehen! Und dann lag sie schließlich vor mir, und ich konnte sie ausgiebig betrachten. Ja, ich durfte sie sogar in meinen Händen halten und konnte lange in mich hineinsinnen.

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich war erstaunt über die Kleinheit des in Terracotta gearbeiteten Reliefs. Es strahlt etwas von einem Altar in Miniatur aus. Zwei übereinanderstehende Räume sind dargestellt, die jeweils mit einem bogenförmigen Himmel abschließen. Im oberen Raum sieht man zwei sich gegenüber knieende, nackte weibliche Wesen, die sich ihre Hände zustrecken. Tragen sie gemeinsam etwas Unsichtbares, das sich zwischen ihnen befindet? Im unteren Raum sind vier Personen dargestellt. In der Mitte stehen zwei sich gleichende weibliche Figuren, gekleidet in lange Gewänder und jeweils die Arme vor der Brust gekreuzt. Sie sehen aus wie Göttinnen, haben etwas Statisches an sich. Vom Betrachter aus links neben ihnen kniet eine ihnen sich ehrfürchtig zuneigende männliche Person. Auf der rechten Seite ‘spiegelt’ sich diese Person in weiblicher Ausführung. Das Relief ist in der für Kogan so typischen Weise des Negativschnittes ausgeführt. Das hier zu sehende Positiv entstand also durch das Ausformen des Gipsnegativs mit weichem Ton. Kogan hat es in seiner besonderen, ihm eigenen Art durchgeführt, an der man ihn so gut wiedererkennt. Der in die Form gedrückte Ton wirkt fast wie unachtsam bearbeitet. Faltungen bleiben sichtbar stehen. Beschädigungen, die durch das Abziehen des Tones aus der Form entstanden sind, werden belassen. Der Rand des Reliefs darf so provisorisch bleiben, wie er entstanden ist. Die Rückseite scheint mit einem nassen Schwamm bearbeitet zu sein, vielleicht in der Absicht, eine relativ einheitliche Oberfläche entstehen zu lassen.

 

Wie ist ein Künstler geartet, der solch rätselhafte Motive wählt, der so unbekümmert mit dem Material umgeht? Ich glaube, dass ich Kogan wieder ein wenig näher gekommen bin. Beglückt verabschiedeten wir uns von Frau Dr. Wiegartz und ihren Mitarbeiterinnen. Vielen Dank für dieses besondere Erlebnis!

 

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Auf den Spuren von Moissey Kogan in Paris Juni 2019

Vorletztes Jahr habe ich bei Tjerk Wiegersma eine Radierung von Kogan erstanden. Sie ist mit „Kogan Paris“ signiert. Als ich nun am Planen einer Reise nach Paris war- mit dem Wunsch endlich einmal den Louvre zu besichtigen- kam mir die Idee, diese mit dem Besuch der Pariser Lebensorte von Kogan zu verbinden. Helen Shiner versorgte mich dankenswerterweise mit allen wichtigen Daten. So reiste ich in Paris an- im Gepäck die Adressen der fünf Stationen seiner Aufenthalte in dieser Künstlerstadt.

 

Mémorial des Martyrs de la DéportationMémorial des Martyrs de la Déportation

 Am Abend vor dem Kogan-Tag bin ich auf der Ile de Cité, um die verwundete Notre Dame zu sehen. Zufällig lese ich, dass am östlichen Ende der Seine-Insel das Mémorial des Martyrs de la Déportation errichtet wurde. Der Besuch dieses Ortes, der an die Deportierten während der NS-Zeit erinnert, hilft mir, mich für den morgigen Tageinzustimmen. Kogan war am 4.2.1943 in Paris festgenommen, nach Drancy gebracht und am 11.2.1943 von dort nach Auschwitz-Birkenau deportiert worden. Am 13.2.1943 wurde er ermordet. Hier finde ich ein Verbindungsstück zu meiner Auschwitz-Reise im November 2015. 

 

 

 

 

 

7 Rue de Tournon7 Rue de TournonIch wohne in einem kleinen Hotel in der Rue Saint Denis und kann mich zu Fuss auf den Weg machen. Es ist Sonntagmorgen und die Strassen sind noch leer. Der Weg führt mich an die Seine, über die Ile de Cité ans südliche Ufer. Kurz vor dem Jardin de Luxembourg biege ich in die Rue de Tournon ein. Im Haus Nr.7 hat Kogan 1909 und 1911 gewohnt. Es hiess damals Hotel de Senat. Jetzt ist es ein gewöhnliches Wohnhaus. Ich bleibe eine Weile vor dem Haus und auf dem gegenüberliegenden Gehsteig stehen. Bevor ich weiter ziehe, berühre ich den Türgriff und die Türeinfassung.

 

Mein Weg führt mich nun durch den Jardin de Luxembourg. Ich setze mich auf eine Parkbank und schaue dem Treiben zu. Die Menschen sind an diesem Morgen sportlich aktiv mit Joggen, Tennis, Tai Chi und vielem mehr. Kogan wird wohl oft hier gewesen sein. Welchem Treiben er wohl damals zugeschaut haben mag?

 

 

 

 

 

14 Rue Bréa14 Rue BréaMeine nächste Station ist das ehemalige Hotel du Sport in der Rue Bréa Nr.14. Hier weilte Kogan 1910 und 1925. Der jetzige Name ist Hotel de Bréa. Ich versuche einfach anwesend zu sein. Ich bin nun im Dunstkreis des Café le Dôme, das fast in Sichtweite liegt, und begebe mich dorthin, an den Ort, an dem sich Anfang des 20.Jahrhundert so viele kreative Menschen versammelten. Hier wurde diskutiert und gearbeitet. Im Innenraum sieht es prachtvoll aus. Es hängen einige Fotos aus der damaligen Zeit, aber Kogan ist unter den Künstlern nicht zu finden. Für ihn floss damals hier der Kaffee in Strömen. Ich sitze vor einer kleinen- aber feinen- Pfütze Espresso. 

Café le DomeCafé le Dome

 

 

 

 

 

 

 

Musée ZadkineMusée ZadkineEs folgt der Besuch des Musée Zadkine in der nahe gelegenen Rue d'Assas. Ossip Zadkine war ein Landsmann und Freund von Kogan. Im Unterschied zu ihm ist Zadkine rechtzeitig in die USA emigriert und lebte ab 1947 bis zu seinem Tod wieder in Paris, in dem Haus, in dem sich das Museum befindet. Ein Gesicht in einer in Stein gehauenen Gruppe erinnert mich sehr an ein Werk von Kogan.

 

 

 

 

 

 

Grab von Henri LaurensGrab von Henri LaurensDer Friedhof vom Montparnasse liegt auf dem Weg. Das Grab von Zadkine finde ich nicht. Dafür stehe ich plötzlich vor dem Grab von Henri Laurens, das ich an einer seiner Skulpturen erkenne. Laurens gehörte demselben Künstlerkreis an wie Kogan.

 

 

 

 

 

 

 

Musée Antoine BourdelleMusée Antoine BourdelleIch entscheide mich auf dem Weg zur nächsten Station von Kogan noch einen Abstecher in das Museum von Antoine Bourdelle zu machen, einem weiteren Zeitgenossen von Kogan. Bourdelle ist so bekannt, dass die Strasse, in der das Museum liegt, nach ihm benannt ist. Ich gehe davon aus, dass bis heute noch keine Rue Moissey Kogan existiert. Bourdelle arbeitete gerne großformatig und bis ins Konkrete aus. Bei seinen Skulpturen ist noch viel Zierat zu sehen- Stoffe, Utensilien, Mimik, Bewegung … Das 19.Jahrhundert lässt grüssen. Ein prächtiges großes Pferd steht im Museumsgarten, kraftvoll und gespannt. Kogans Arbeiten weisen in eine ganz andere Welt.

 

 

 

 

 

 

Cité FalguièreCité Falguière

Von hier ist es ganz nah zur Rue Falguière. Von ihr geht eine kleine Sackgasse ab in die Cité Falguière, eine ehemalige Künstlerkolonie. In deren Nr. 14 wohnte und arbeitete Kogan in seinen letzten Lebensjahren. Vielleicht ist das der Entstehungsort der Radierung, die ich von Kogan besitze. An Stelle des alten Hauses steht nun ein modernes Wohnhaus am Ende der Gasse. Die Nr. 9 und Nr.11 sind noch original und strahlen weiterhin eine lebendige Künstleratelierstimmung aus. Ich setze mich auf eine Mauer und schaue die Gasse hinunter in Richtung der Einmündung in die Rue Falguière. Da ging er entlang- mein „Meister“. Am 4.2.1943 machte er sich auf und kehrte nie mehr zurück.

 

 

 

 

 

 

 

 

La RucheLa RucheNun nehme ich doch die Metro und fahre zwei Stationen weiter in den Süden, um als nächste Station auf meinem Kogan-Weg die 2 Passage de Dantzig zu besuchen. In dieser Künstlerkolonie, die La Ruche genannt wurde, hat Kogan 1908 und 1912 gelebt und gearbeitet. Es scheint hier noch alles so zu sein wie damals. Die Gebäude und der verwunschene Vorgarten wirken einladend. Aber leider bin ich nur Zaungast. Auf der Tafel, die am Eingang angebracht wurde stehen viele Namen von Künstlern, die hier tätig waren- Moissey Kogan aber ist nicht erwähnt.

 

 

 

 

 

 

Musée RodinMusée RodinEs gibt noch eine letzte, weiter südlich gelegene Station, die 18 Rue du Moulin de Beurre, in der Kogan 1913 gewohnt hat, aber ich konnte sie im Stadtplan nicht eindeutig bestimmen. Ich bin außerdem müde vom Laufen und vom Aufnehmen der vielen Eindrücke. Ich entscheide mich mit der Metro zurück zu fahren. Dann mache ich aber doch noch einen Zwischenhalt für einen kurzen Besuch im Musée Rodin. Hier geht es mir ähnlich wie im Museum von Bourdelle. Ausdruck, Kraft und Bewegung der Skulpturen sind beeindruckend, auch der Prunk, in dem Rodin gelebt hat, aber es strahlt etwas Altmodisches, Gestriges aus. Wie rein, klar und liebevoll sind dagegen die eher unscheinbaren, zeitlosen Skulpturen von Kogan. Und wie zurückgezogen und ärmlich lebte ihr Schöpfer zeitgleich mit diesem anerkannten und gut bezahlten Meister der Bildhauerei. Zwei sehr konträre Welten.

 

 

 

Mit welchen Worten kann man den Bericht eines solchen besonderen Tages abschliessen? Lieber Moissey Kogan, ich bin Dir sehr dankbar für den erlebnisreichen Weg, den Du mir heute bereitet hast!

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Im Blog von Helen Shiner

Link zum Bericht von Helen Shiner zur Veranstaltung "Eine wundersame Begegnung" auf ihrer Homepage:

https://moisseykogancr.org/mapping-kogans-munich/

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Eine wundersame Begegnung- Veranstaltung zum 75.Todestag von Moissey Kogan

2018 jährte sich der Todestag von Moissey Kogan zum 75.Mal. Zu diesem Anlass nahm ich nochmals die Beschäftigung mit diesem mir während der Diplomarbeit in 2015/2016  so nahe gekommenen Künstler auf. Das Ergebnis war die Veranstaltung "Eine wundersame Begegnung" in München. In diesem Zusammenhang bekam ich Kontakt mit Helen Shiner aus Oxford, die seit vielen Jahren über Moissey Kogan forscht und publiziert. Zu meiner großen Freude kam sie sogar zu der Veranstaltung angereist. Es ergab sich ganz spontan, dass sie sich an diesem Abend mit einem Beitrag beteiligte.  Es ist daraus ein bleibender Kontakt entstanden. Helen Shiner hat am 13.2.2018 eine neue Homepage eröffnet (http://moisseykogancr.org/), auf der viele interessante Detail aus dem Leben und über das Werk von Kogan zu finden ist.

 

Hier der Link zum Einladungstext für die Veranstaltung am 22.3.2018 auf der Plattform Gedenkstättenforum: link

 

 Ich lade Sie und Ihre Freunde herzlich zu der  aufgeführten Veranstaltung ein.

In meiner Diplomarbeit des Studiums der Bildhauerei an der Edith Maryon Kunstschule in Freiburg habe ich mich intensiv mit dem jüdischen Bildhauer Moissey Kogan beschäftigt. Im Laufe des Jahres zeigte es sich, dass diese Arbeit mehr und mehr zu einer "Begegnung" wurde. Zum einen ist Kogan für mich ein Lehrer geworden- für die Schönheit, die Linie, den Ausdruck, die Schlichtheit, das Zeitlose. Zum andern hat er mich zu seinem Todesort Auschwitz-Birkenau geführt, wo er am 13.2.1943 63jährig starb. 

Kogan hat einige Jahre in München gelebt. Er hat 1903 bei Wilhelm Rümann an der Akademie für Bildende Künste studiert, war dann freischaffender Künstler und beteiligte sich 1910 an der Neuen Künstlervereinigung. Er war häufiger Gast bei Jawlenski und Werefkin, die hier um die Ecke in der Giselastr. 23 wohnten.

Die Gedenkstunde gestalte ich aus Dankbarkeit für die besonderen Erlebnisse, die ich durch die Beschäftigung mit ihm erfahren habe. Bei der Feier werden- neben der "Geschichte"- verschiedene Texte zu hören und einige Fotos seiner Werke, kleine Kopien in Terrakotta, eine Originalradierung zu sehen sein. 

Ich freue mich auf Ihr Kommen.

Torsten Kleiner

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Das erste Original

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Über Tjerk Wiegersma erstehe ich 2017 eine feine Radierung von Kogan. Es ist das erste Original, das ich von ihm zu Gesicht bekomme. Tjerk Wiegersma´s Großvater Hendrik Wiegersma hat damals Kogan als Galerist in den Niederlanden vertreten.

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Diplomarbeit an der Edith Maryon Kunstschule 2015/2016

Meine Diplomarbeit hatte den Arbeitstitel „EVA- eine Hommage an Moissey Kogan“. Bei der Suche nach einem Bildhauer, der in Auschwitz ums Leben kam, traf ich auf Moissey Kogan, einem russisch-jüdischen Bildhauer (1879-1943). Ich hatte den Wunsch mich mit seinem Leben und seinem Werk zu beschäftigen. Vielleicht könnte es gelingen im Verlauf des Jahres ein Werk für ihn entstehen zu lassen- für ihn, der durch seinen abrupten Tod keine Möglichkeit mehr hatte, seine künstlerischen Ideen umzusetzen. Ich arbeitete mich in seine Formsprache ein. Sein Lebensthema war die weibliche Figur. In dieser Venus-Sphäre haben wir uns in gewisser Weise gefunden. Er ist in Birkenau (Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau) gestorben, ich bin in Birkenfeld geboren (die Birke hat aus spiritueller Sicht eine Beziehung zur Venus). So gab es verschiedene überraschende Anknüpfungspunkte. Ich begann mit Kopien seiner Werke, die ich bis jetzt nur durch Fotos kennen gelernt habe. Er erstellte Reliefs, Torsi und Vollplastiken, bevorzugt aus Terrakotta, wobei er vor allem mit dem Negativschnitt arbeitete. Das war eine ganz neue Welt für mich. Ich kann sagen, dass er mir in gewisser Weise ein Lehrer für die Gestaltung der weiblichen Figur war. In der Folge entstanden weibliche Figuren in meiner eigenen Formsprache. So entstanden Ton-Ausformungen aus dem Negativschnitt, dann aber auch Gips- und Betongüsse. Als besondere Arbeit entstand als letztes ein Torso aus Kalkstein, bei dem ich meine Erfahrungen durch die Arbeit an dem Räumlich-Leiblichen einfließen lassen konnte.Begleitend zeichnete ich „40 Spiegelskizzen“- Selbstportäts auf der Suche nach mir selbst. Ein wichtiger Moment im Diplomjahr war meine Reise nach Auschwitz am 23.11.2015. Meine Mentorin war Verena Reimann, Dozentin an der Edith Maryon Kunstschule, freischaffende Bildhauerin in Georgensgmünd, die mich mit viel persönlichem Engagement auf meinem Weg begleitete. In ihrem Atelier entstand der Torso aus Kalkstein.

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Torso (Treuchlinger Kalkstein, 107cm hoch)Torso (Treuchlinger Kalkstein, 107cm hoch)Eva (Gips, Schlagmetall, 67 cm hoch)Eva (Gips, Schlagmetall, 67 cm hoch)

 

Meine ausgestellten Werke

  Torso

Diese Arbeit in Treuchlinger Kalkstein entstand an acht aufeinander folgenden Arbeitstagen. Als Werkzeug dienten Trennschneider und Meisel. Dies bewirkt eine besondere Oberfläche. Ich arbeitete auch hier ohne direktes Modell. Mir war wichtig, dass die Figur Leiblichkeit und Leichtigkeit ausstrahlt.

  Eva

Ein Gipsguss, entstanden aus einer aus Ton modellierten Figur. Dieser wurde dann zuletzt mit Schlagmetall in Goldton überzogen. Hier befreie ich mich von der sehr lieblichen Formsprache Kogans und bringe- trotz Ausstrahlung von Ruhe und Innerlichkeit- Kraft, Präsenz und Emotionalität hinein. Die Figur entstand ohne lebendes Modell.

 

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Fotos von Kogan, verschiedener Werke von Kogan und der Büste von BrekerFotos von Kogan, verschiedener Werke von Kogan und der Büste von Breker

Beschäftigung mit dem Leben und Werk von Moissey Kogan

Kogan war ein rastloser Mensch. Am 24.5.1879 in Bessarabien geboren lebte er später in Deutschland, in der Schweiz, in Holland und Frankreich. In Paris wurde er am 4.2.1943 verhaftet und in das Lager in Drancy gebracht. Am 11.2.1943 verließ der Zug um 10:15 Uhr den Bahnhof, in dem er unter der Nummer 290 nach Auschwitz transportiert wurde. Am 13.2.1943 starb er im Alter von 63 Jahren in den Gaskammern von Auschwitz-Birkenau.

Durch verschiedene Quellen entstand in mir ein Bild von Kogan und seiner Kunst. In meinen Augen ist er wirklich ein Venus-Künstler. Seine weiblichen Figuren strahlen eine Unschuld und Reinheit aus. Sie scheinen einer Zeitlosigkeit zu entspringen. Vielleicht liegt es an diesem Unspektakulären, dass er heutzutage so gut wie vergessen ist. Beim Eintauchen in diese besondere Welt entstand in mir die Idee, dass die Skulptur, die für ihn entstehen soll, eine Eva wird. Eva nicht im biblischen Sinn, als Frau des Adam, sondern Eva als das Urweibliche, das Ewig Weibliche. 

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Kopie eines Reliefs von KoganKopie eines Reliefs von KoganSchwebende im PositivSchwebende im PositivSchwebende im NegativSchwebende im Negativ

 

Kopien, Negativschnitt

Ein weiterer Schritt auf meinem Weg zu Kogan war das Kopieren einiger seiner Werke. Ich hatte hierzu nur Fotografien zur Verfügung, die bei den Vollplastiken als weitere Einschränkung nur eine Ansicht gaben. Besonders der Negativschnitt hat mich fasziniert. Für Kogan war dabei die Negativform, die im Gipsblock entsteht, die eigentliche Skulptur. Die Ausformung in Ton, die dann zu Terrakotta gebrannt wurde, war sozusagen nur ein Nebenprodukt. Die schwebende weibliche Figur (s.oben) ist spiegelbildlich zu Kogans Figur, da ich sie von einer Fotografie auf einen Gipsblock zeichnete und ausarbeitete. Auf den Fotos ist die unterschiedliche Wirkung vom Negativ (rechts) und Positiv (links) wahrzunehmen.

 

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Negativschnitt und AusformungenNegativschnitt und AusformungenNegativschnitt und AusformungenNegativschnitt und AusformungenNegativschnittNegativschnitt

 

Skizzen

Nun folgte eine Zeit der Suche und Versuche. Ich fertigte mehrere freie Reliefs und Kleinplastiken an und übte mich weiter im Negativschnitt. So entstanden einige Arbeiten in Ton, die ich zum Brennen geben konnte. Ich war dabei noch sehr mit der Formensprache von Kogan verbunden. Mehr und mehr kam ich in das Erleben der Körperlichkeit. Proportion, Linie, Anmut, letztendlich die Suche nach der Schönheit.

 

 

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die Birkengruppe an der  "Judenrampe"die Birkengruppe an der "Judenrampe"Weg zum Lager BirkenauWeg zum Lager BirkenauEiche an den Ruinen der GaskammernEiche an den Ruinen der Gaskammern

 

Reise nach Auschwitz am 23.11.2015

Eine wesentliche Station auf dem Weg zu Kogan war für mich ein Besuch des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau. Diese Reise hatte ich von Beginn an im Sinn. Es war mein erster Aufenthalt an diesem Ort. Im Gepäck hatte ich ein ungebranntes Exemplar der Kopie der Schwebenden als Gabe für Kogan. Ich legte sie in der kleinen frischgepflanzten Birkengruppe an der Judenrampe ab. Hier kam Kogan mit dem Eisenbahntransport an. Seine “Venus” an einer jungen Birke, dem Baum, der nach spirituellem Wissen eine Beziehung zur Venus hat. Das war für mich ein passenden Ort. Sie darf nun in Wind und Wetter vergehen. Dass dieser schreckliche Ort Birkenau in seinem Namen eine Beziehung zur weiblichen Schönheit hat! Ich ging den selben Weg wie Kogan zum Lager, begab mich zu den Ruinen der Gaskammern und gedachte seiner. Berührt hat mich der Eichbaum, der sich über eine der Ruinen beugte. Die Eiche wiederum hat einen Bezug zum Mars- der für Kraft und Mut steht. Ich hatte während der ganzen Reise das Gefühl, dass ich in irgendeiner Weise geschützt war.

 

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Spiegelskizzen

Begleitend zu meiner Arbeit an und für Kogan entstanden innerhalb von 10 Monaten 40 Spiegelskizzen, sogenannte Selbstportraits. Ich arbeitete mich hier sehr frei an das Gegenüber im Spiegel heran. Es ging mir nicht um den Wiedererkennungswert. Das Malwerkzeug sollte sich so spontan und spielerisch wie möglich bewegen. Dadurch entstanden extrem unterschiedliche Ansichten einer einzigen Person- der “Viele”.

 

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Meine wundersame Begegnung mit Moissey Kogan” - eigener Text und Sammlung von Zitaten

Immer wieder Auschwitz. Ich spüre in mir das Verlangen endlich einmal dort hin zu reisen. Das Thema Holocaust begleitet mich schon seit meiner Jugend, zeitweise sehr nah und bedrängend, lange Phasen auch aus weiter Ferne und nur unterschwellig. Nach meinem Wissen gibt es in meiner Familie weder Täter noch Opfer dieses in die Geschichte der Menschheit einschneidenen Geschehens. Ich weiß nicht, warum mich dieses Thema immer wieder so stark beschäftigt. Mein Besuch von Yad Vashem in Jerusalem 2011 war bis jetzt der Tiefpunkt auf diesem Weg. Ich bewege die Idee, ob es wohl möglich wäre zusammen mit anderen Künstlern eine Aktion in Auschwitz zu machen. Nicht als Tourist möchte ich an diesen Ort reisen.

Um 4 Uhr wache ich auf und habe einen starken Traum im Bewusstsein: Ich bin mit einem altmodischen Auto unterwegs. Bei einem Halt am Straßenrand treffe ich auf eine Familie mit zwei Kindern. Das kleine Mädchen muss auf Toilette und die verängstigt wirkenden Eltern wissen nicht wohin mit ihr. Ich frage sie, ob sie mit zu mir nach Hause kommen wollen. Sie steigen dankbar ein. Ich halte vor einem mehrstöckigen Haus in einer größeren Stadt. Die ganze Familie kommt mit in meine Wohnung. Sie betrachten sehr intensiv die Puppen auf meinem Bett. Das Mädchen geht mit ihrer Mutter auf die Toilette- und ich wache auf. Im Nachhinein bin ich mir sicher, dass mich der Traum in die Zeit des Dritten Reiches führte und dass es sich um eine jüdische Familie auf der Flucht handelte.

Im Laufe des Tages entstand in mir die Idee, dass ich nach einem Bildhauer suchen könnte, der in Auschwitz ums Leben kam. Künstler sind so voller Ideen und Visionen. Und diese bedauernswerten Künstler wurden durch den gewaltsamen Tod um die Möglichkeit der Umsetzung beraubt. Vielleicht gibt es einen Weg ihr Werk in ihrem Sinne ein wenig weiter zu führen.

Ich gebe bei Google die Suchwörter „Bildhauer Auschwitz“ ein und gelange auf eine Seite, auf der Moissey Kogan erwähnt wird. Die Fotos seiner Werke sprechen mich spontan an. Ich habe gefunden was ich gesucht habe!

Mir fällt ein paar Tage später auf, dass ich Kogan einen Tag nach seinem 146.Geburtstag (24.5.1871) gefunden habe.

Eines Tages zeigte Kogan seinem Besucher Breker voller Stolz einen riesigen Baumstamm, den man vor sein Atelier geschleppt hatte. Irgendwo in der Nähe war ein Baum in Wind und Regen umgestürzt. Kogan sicherte sich das Holz wie eine Beute. Dann teilte er den Stamm mit Strichen in die entsprechende Länge der geplanten Skulpturen, die er daraus gewinnen wollte. Als Breker im darauf folgenden Frühjahr wieder zu Kogan kam, war der Baum beseitigt. In freudiger Erwartung wollte Breker wissen, was es denn für Figuren geworden seien. Doch von Kunstwerken war nichts zu sehen. "Alles schon verkauft", fragte Breker ? Kogan schüttelte den Kopf und zeigte auf den Eisenofen im Atelier. "Der Baum hat sich durch diese kleine Tür einfach davon gemacht", sagte der Bildhauer. "Aber er hat mir die Wintermonate erwärmt." Zitat aus http://www.meaus.com/moissey-kogan.htm

Beim Lesen dieses Textes kommt mir spontan die Assoziation zu den Krematorien von Auschwitz-Birkenau.

Kogan ist in Birkenau gestorben, ich bin in Birkenfeld geboren.

Ich habe das starke Gefühl, dass ich in eine “Geschichte” hineingezogen werde. Es ist ein ganz neues Erlebnis für mich. Seither hat mich im künstlerischen Schaffen vor allem das Material und die Form interessiert. Nun ist es das erste Mal, dass eine Erzählebene dazu kommt. Und ich spüre stark, dass das Ganze etwas mit mir selbst zu tun hat. Es entstehen erstaunliche Verknüpfungen. Das ist mehr als “Zufall”. Es passt einfach, es ist stimmig.

Literatur über Kogan:

Katharina Henkel: Moissey Kogan (1879-1943). Sein Leben und sein plastisches Werk. Edition GS, Düsseldorf 2002

Gerhart Söhn: Moissey Kogan. Bausteine zu einer Monographie. Edition GS, Düsseldorf, 1980

Sebastian Giesen: Freundlich-Gangolf-Kogan. Drei Künstlerschicksale. Ernst-Barlach-Haus, Hamburg 2004

Zwei Tage vor meiner schon länger geplanten Reise nach Ascona im Tessin finde ich auf der Hommepage https://www.moisseykogan.com/photos ein Foto von Kogan, das in Ascona aufgenommen wurde. Er verbrachte immer wieder Urlaube dort, wohnte und arbeitete aber auch zeitweise an diesem Ort. Ihn verband eine Freundschaft zu Marianne Werefkin, die in Ascona lebte. Im dortigen Museum für moderen Kunst befindet sich ein Portrait von Kogan, gemalt von Otto van Rees. Ich nehme auf meine Reise Ton mit und Fotos einiger Werke von Kogan und versuche mich durch Kopieren in diese besondere Formensprache einzuarbeiten. Zuerst kopiere ich ein Relief einer verträumt sitzenden Frau. Es strahlt so viel Liebe aus, Zartheit und Schönheit. Dass ein Mann soetwas gestalten kann! Mir fällt nach einigen Tagen auf, dass sich mein Arbeitsplatz unter einer Birke befindet.

Tagebucheintrag vom 10.6.2015 Ein weiterer Tag mit Kogan. Ich habe mich an die Kopie der zweiten Skulptur gemacht, nachdem ich die erste heute Morgen beendet hatte- mit dem Wissen, dass ich die Anmut des Originals nicht erreichen werde. Wie sehr Kogan auf die Genauigkeit der Linien achtet! Und das Gesicht, die Augen, der Mund ... Es sieht so zufällig aus, ist aber bis ins Kleinste gestaltet- auch wenn es unfertig aussieht.”

Verena Reimann, Bildhauerein aus Georgensgmünd, Dozentin an der Edith Maryon Kunstschule, hat zugesagt mich im Diplomjahr als Mentorin zu begleiten. Darüber freue ich mich sehr, da sie einen Bezug zu meinem Thema hat: Sie leitet seit einigen Jahren Sommerkurse im Steinbruch Flossenbürg, neben dem sich ein Konzentrationslager befand. Ich habe sie dort als –suchend-- Was hat das heute mit und zu tun? Ihre Frage an mich: was ist es, dass dich so sehr mit dem Thema Holocaust verbindet? Schau auf deinen inneren Weg!

Zitat aus dem Buch von Gerhart Söhn: Von welchen Mysterien muss ein Künstler bewegt sein, der all seine schöpferische Kraft in Unschuld, Lieblichkeit und Schönheit umsetzt, der sich in Not, Elend und politischer Wirrnis in steter Wiederkehr und denoch kreativer Variierung einen Menschen schafft, der dem Alltag enthoben zu sein scheint. Einen Menschen, der sich für ihn in der Frau manifestiert: der jungen Frau, nymphenhaft, der Eva schlechthin, nicht der “sündigen”, sondern der mädchenhaften, das Geheimnis der Schöpfung in sich bergenden, ihre Schönheit in aller Unbefangenheit zur Schau tragenden. Fast möchte man sagen, dass Kogan, wie kaum ein anderer seiner Bildhauerkollegen Ton, Erde, das weiche formbare Material bevorzugte, den mystischen Schöpfungsprozess zu wiederholen trachtete.”

Lebensorte von Kogan: Orgjejeff (Besarabien), Winterthur, München, Weimar, Berlin, Hagen, Ascona, Deurne (Niederlande), Paris

Es ziehen sich nun drei Stränge:

  • die Beschäftigung mit dem Lebensweg und dem künstlerischen Schaffen von Moissey Kogan

  • die Suche nach dem eigenen künstlerischen Weg zur Gestaltung einer Eva-Skulptur

  • das Bemühen um ein Verständnis des Holocaust und dessen Bezug zu mir selbst

Zitat aus dem Buch von Katharina Henkel: (Kogan vor einer Madonna stehend im Musée de Cluny) Was für Andacht, Hingabe, Pietät ist darin. Ja, Kunst ohne Religion geht nicht. Ob die Frau, der Gott, der Teufel es ist- nur völlige Hingabe führt zum Werk.”

Zitat aus dem Buch von Katharina Henkel:  (zum Negativschnitt) So arbeitet er auch nicht von außen her gegen das Material an, sondern geht in die geheimnisvolle Geschlossenheit des Materials hinein, zwingt sich nicht selbst der Oberfläche auf, aktiv und motorisch, sondern schmiegt sich der Masse ein und läßt gewissermaßen die immanente Form sichtbar werden, passiv verharrend.”

Der Innenraum, der sich ausdrückt und der Außenraum, der sich eindrückt.

Zitat aus dem Buch von Katharina Henkel: (Suzy van Hall über Kogan) Denn Kogan sucht nie die Wirkung nach außen, weder in seinen Arbeiten, noch in seinem Wesen. Selbst seine Erscheinung, sein Gesicht scheint gleichsam nach innen gewendet, vollkommen von dem Hineinschauen und Hineinlauschen in die Geheimnisse der sinnlichen Erscheinung und ihrer Gestaltung durch die künstlerische Form.”

Am 4.2.1943 wurde Kogan in Paris verhaftet und in das Lager Drancy gebracht. Am 11.2.1943, 10:15 Uhr wurde er unter der Nummer 290 im Transportzug 902 nach Auschwitz deportiert. Ankunft in Auschwitz-Birkenau am 13.2.1943 und der Tod in der Gaskammer am selben Tag.

Zitate aus dem Buch von Katharina Henkel: (Kubsch über Kogan) Wenn er einen Torso gestaltet, so ist das nicht, wie bei vielen anderen, eine Geste, sondern eine Notwendigkeit, weil er weiß, daß er in diesem Torso die ganze Glut und den strömenden Geist des Lebens hineinbannen kann.”

(Sauerland über Kogan) Kogan wählte für seine Arbeiten einen im Scharfbrande steinzeugartig versinterten Ton, der, körnig und porenreich, das Licht auf seiner nirgends glatten Oberfläche ganz anders aufnimmt und zurückwirft und es in noch viel reicher nuancierten Stufen zwischen Hell und Dunkel über die vielbewegte Oberfläche der plastischen Form schwingen läßt. (...) Das Gefühl für das besondere Massengefüge des körnigen Tons, die feine, der Tastempfindung hemmungslos sich mitteilende Gefühl für den Reiz des Werkstoffs ist hier bis an die Grenze getrieben und bis zum Letzten sind die in ihm liegenden Eigenschaften ausgenutzt.”

(With über Kogan) Darauf beruht dann auch die formale Schönheit, wie sie Kogan mit sparsamsten Mitteln entwickelt, ihr ganz einfaches, gelöstes und einheitliches Gefüge, das sinnliche Gleichmaß und ihre stille Transzendenz, beruht der Fluß der Konturen, ihr Rhythmus und die Ausdruckskraft ihrer Nuancen; die Geschlossenheit des Körpers und das Ebenmaß in der Fläche. Und dann vor allem dieser Zauber und Duft, mit denen das menschliche Sein sich entfaltet, mit der Klarheit der Leiber und der elementarischen Schlichtheit ihres Eros.”

 

Du bist in Birkenau gestorben, ich bin in Birkenfeld geboren.

 

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